The Death and Life of Charlie St. Cloud:
Buchbesprechung
11. November 2009
Wir warten zwar noch auf Me and Orson Welles, aber man kann ja trotzdem schon mal das nächste Zac-Efron-Projekt ins Auge fassen: Eine Verfilmung von “The Death and Life of Charlie St. Cloud”, einem 2004 erschienenen Roman von Ben Sherwood. In Deutschland ist der Roman erst unter dem Titel “Der lange Abschied des Charlie St. Cloud” erschienen, später wurde der Titel hier zum schmalzigen “Wie durch ein Wunder” geändert (vielleicht in Anlehnung an “Wie im Himmel” und “Wie ein einziger Tag”? vielleicht aus Genitiv-Scheu?).
Ich hab das Buch also mal gelesen; hier gibt es nun erst einmal eine Besprechung des Romans, und in den nächsten Tagen dann ein paar Gedanken zur Verfilmung des Stoffes.
“The Death and Life of Charlie St. Cloud” ist eine Liebesgeschichte mit fantastischen Elementen, genauer gesagt Geistern und Wundern. Eine Geschichte über Tod und Abschiednehmen, die doch durch und durch Lebensbejahend ist.
STORY
Charlie und Sam St. Cloud sind unzertrennliche Brüder. Als sie beide bei einem Autounfall sterben, versprechen sie sich gegenseitig, nie den anderen zu verlassen. Und obwohl Charlie wiederbelebt wird, kann er sein Versprechen halten: er arbeitet von nun an auf dem städtischen Friedhof, wo er jeden Tag zur Dämmerung mit seinem dort beerdigten kleinen Bruder Baseball spielt und frisch Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits zur Seite steht. 13 Jahre lang folgt er dieser Routine – bis er die Segelmacherin Tess kennen lernt.
Zwei praktische Indizien um den Roman zu bewerten: 1) Ich hab das Buch angefangen und abgesehen von kleinen Pausen zum Essen und Tee kochen nicht mehr aus der Hand gelegt bis ich fertig war. 2) Ich hatte fast den ganzen Roman hindurch Tränen in den Augen. Gut, letzteres liegt eher daran, dass ich fürchterlich sentimental und nahe am Wasser gebaut bin, aber trotzdem: daran sieht man schon, dass der Roman vieles richtig macht.
Charlie St. Cloud ist flüssig geschrieben und liest sich wirklich angenehm; die 270 Seiten sind damit genau richtig um einen grauen Novembernachmittag zu füllen. Der Schreibstil ist nun wirklich nichts besonderes, doch die Story ist ansteckend genug, dass man doch immer weiterlesen muss. Und für anfällige Leute wie mich eben auch ziemlich rührend – der Roman ist zwar nicht sonderlich rührsehlig geschrieben, aber bei den die ganze Handlung hindurch vorherrschenden Themen von Leben und Tod, Abschiednehmen und Nicht-aufgeben-Wollen, Liebe und Wundern bin ich halt einfach empfindlich. Trotz vieler trauriger Momente ist die Grundstimmung aber immer hoffnungsvoll – die Handlung an sich mag zwar vielleicht tragisch sein (ich hab einer Freundin kurz zusammengefasst, was da passiert, und hatte danach Probleme sie davon zu überzeugen, dass das nicht furchtbar traurig ist), und der Roman spricht das auch selbst an (“Some folks would call it a tragedy, and I see their point”), aber bei der Präsentation gibt es keine Zweifel an der optimistischen und lebensbejahenden Haltung des Autors.
Mit ein paar Aspekten des Romans hatte ich so meine Probleme, doch diese Schwächen wogen nie so schwer, dass mich das in meiner Lesefreude ernsthaft gestört hätte.
Ich mag nicht, wie genau erklärt wird, wie das ganze Diesseits-Dazwischen-Jenseits-System funktioniert – für mich funktionieren solche Dinge immer am besten, wenn sie so vage wie möglich gehalten werden und damit so viel Mysterium wie möglich bleiben. Da passen mir Szenen nicht wirklich, wo Sam einem anderen Geist erklären muss, wie man mit diesem Seinszustand umzugehen hat – aber solche Momente halten sich zum Glück in Grenzen.
Dann wäre da das Problem, dass sich die ganze Handlung schon etwas gar stark auf Wunder verlässt. Natürlich ist das Absicht und nicht etwa Faulheit des Autors, der Roman beginnt ja nicht von ungefähr mit dem Satz “I believe in miracles.” – aber ich hatte das Gefühl, dass man auch mit ein paar weniger wundersamen Begebenheiten ausgekommen wäre. Da besteht doch ein wenig die Gefahr, dass man als Leser zu sehr auf ein kommendes Wunder hofft, statt richtig mit den Charakteren mitzufiebern.
Eine “Enthüllung” ahnt man schon etwa hundert Seiten zuvor (wir kennen alle einen Film, der das geschickter gemacht hat), doch es funktioniert trotzdem, weil diese Enthüllung eh schon in der Mitte des Buches steht, es nimmt der Geschichte also nicht die Kraft wenn man es schon vorher erraten hat, und die Abschnitte in denen man es schon ahnt bleiben doch sehr spannend zu lesen, weil man ständig nach Indizien zur Bestätigung oder Widerlegung der eigenen Ahnung sucht.
Wie gesagt, meine Probleme mit dem Buch halten sich in Grenzen, es überwiegt immer der positive Eindruck. Außerdem gibt’s Bonuspunkte für die Segelszenen (auch wenn mein Age-of-Sail-Segelwissen irgendwie nicht viel mit modernen Segelfachbegriffen hilft). Kein Buch, das ich je zu meinen Lieblingsbüchern zählen würde, aber eben doch ein Buch, dass ich in einem Rutsch durchgelesen und seitdem sehr häufig wieder in die Hand genommen hab um bestimmte Szenen noch einmal zu lesen. Und ein Buch, auf dessen Verfilmung ich sehr gespannt bin – aber mehr dazu dann in einem späteren Beitrag.


21. December 2009 um 19:21
Was Du hier über das Buch geschrieben hast, kann ich nur bestädigen. Aber ein Trost für dich, Ich hatte auch Tränen in den Augen und die flossen auch von Zeit zu Zeit. Ich war wie gebannt und habe die Zeit total vergessen. Das passiert mir eigentlich sonst nicht. Ich habe mir in den Handlungen des Buches, schon immer Zac vorgestellt (albern oder?!), aber es hat sich einfach so reingeschlichen, ich konnt nichts tun dagegen.
Ich bin riesig auf den Film gespannt und vorallem auf Zac (*grrr*, *sapper*)
Lt Quellen soll der Film am 24.Juni 2010 raus kommen. Ich finde er wird mal ein super Schauspieler, wenn er (wovon ich mal ausgehen) alles richtig anstellt.
Das wars jetzt aber. Ich wünsche Dir schöne Feiertage und mal liest sich wieder.
Tschau Andrea
22. December 2009 um 10:02
Schön, dass es dir mit dem Buch genauso gegangen ist. Es mag vielleicht ein bisschen albern sein, sich gleich Zac in der Rolle vorgestellt zu haben, aber du bist sicher nicht allein: Ich hab das genauso gemacht. Und auch, wenn wir da jetzt vielleicht etwas weniger objektiv sind, es ist doch schön, dass Zac in unserem Kopf schonmal super in die Rolle passt, oder? *g*
So wie ich es mitbekommen hab, dürfte der 11.Juni der US-Starttermin sein, und der 24. Juni der für Europa, also zumindest gibt’s da schon einige Bestätigungen. Hauptsache wir wissen, dass dieser Film (im Gegensatz zu Me and Orson Welles *seufz*) mit Sicherheit einen deutschen Kinostart bekommt.
Dir auch noch schöne Feiertage!