Doctor Who: THE WAR GAMES
28. December 2009
Aus gegebenem Anlass jetzt nun endlich die Besprechung der letzten Episode des zweiten Doctors: The War Games.
Nach 40 Jahren ist es wohl den allermeisten Fans bereits bekannt, wer am Schluss dieser Episode auftaucht (und der Grund für die Regeneration des zweiten in den dritten Doctors ist). Ich werde also zwar nichts über den Storyverlauf spoilern, aber schon ein paar Kommentare zu dem loswerden, was da am Ende auftaucht. Wer also partout nichts darüber wissen will: Gleich die DVD kaufen und selber gucken.
Doctor: 2 (Patrick Troughton)
Companion: Jamie (Frazer Hines), Zoe (Wendy Padbury)
Autor: Malcolm Hulke, Terrance Dicks
Regisseur: David Maloney
Jahr: 1969
STORY
Der Doctor (Patrick Troughton), Zoe (Wendy Padbury) und Jamie (Frazer Hines) landen per Zufall mitten im Ersten Weltkrieg zwischen der britischen und deutschen Front. Doch während sie sich noch gegen Spionagevorwürfe verteidigen müssen, wird bald klar, dass sich hier hinter den Kulissen noch mehr abspielt…
REVIEW
Eine der längsten Doctor-Who-Episoden (nur The Dalek’s Master Plan und Trial of a Time Lord (wenn man das zusammen zählt) sind länger), und man fragt sich natürlich automatisch, ob die Story über 10 Folgen (!) hinweg tragen kann. Keine Sorge: sie kann durchaus.
Das grundlegende Konzept ist faszinierend genug, um so eine epische Geschichte darauf aufzubauen: Aliens entführen Menschen aus den größten Kriegen der Geschichte und orchestrieren mit Hilfe von Gehirnwäsche Kämpfe auf einem fremden Planeten als Beobachtungsexperiment. Damit hat man schonmal verschiedene interessante historische Zeitzonen, deren Bewohner aufeinander treffen sowie ein Alien-Hauptquartier mit exotischer Technologie und grausamen Ereignissen, die es zu bekämpfen gibt. Dazu gibt es dann noch einige Komplikationen und viele gute Charaktere – bei den Guten welche, die man sofort gern hat, bei den Bösen welche, die man gern verabscheut, und dazwischen natürlich den Doctor, Jamie und Zoe, die sowieso immer ganz wunderbar sind.
Die verschiedenen Ebenen werden auch ganz geschickt aufgebaut, zu Beginn wirkt The War Games noch wie eine simple WWI-Story, dann kommen immer mehr seltsame Elemente dazu bis wir in der futuristischen Hauptbasis landen nur damit das ganze in der letzten Episode nochmal getoppt wird.
Wenn man The War Games erneut ansieht, merkt man natürlich schon, dass es etwas gar viel unnötiges Herumgerenne von Zeitzone zu Zeitzone ist,
und sich Situationen wiederholen – immer wieder werden unser Helden festgenommen und befreit. Schlägereien halten sich zwar eigentlich in Grenzen, aber schon die wenigen die wir haben sind nicht nur schlecht gemacht sondern auch ziemlich langweilig. Man hätte problemlos die Story 2 bis 3 Folgen kürzen können um das Tempo zu erhöhen und redundante Handlungselemente zu streichen – aber das gilt fast für jede Story der Classic Series, wenn man dieses Format nicht mag, wird man mit der Serie sowieso nicht glücklich.
Highlights von The War Games sind aber doch klar die Time Lords – zum Einen natürlich die ersten Szenen der Serie auf Gallifrey am Ende der Story, zum Anderen aber auch alle Szenen des War Chiefs. Der ist einer dieser wunderbaren klassischen Bösewichte, denen man immer gerne zusieht: immer eindeutig gefährlich, aber mit einer kalten Eleganz, überheblich, herablassend und mit einer guten Dosis Größenwahnsinn. Das hebt ihn schön von den anderen Bösewichtern der Story ab
und lässt auch dort nochmal schön Spannung entstehen, nachdem sich der War Chief ja diesen überlegen fühlt, aber doch für sie arbeiten soll. In vielerlei Hinsicht wirkt der War Chief wie eine erste Version des Masters, und es gibt auch einige (Fan-)Theorien, mit denen man den War Chief tatsächlich als frühe Regeneration des Masters erklären kann. Egal, ob man den War Chief jetzt als Master sieht oder nicht, es macht immer Spaß ihm zuzusehen, wie er mit Evil!Beard, süffisantem Lächeln und skeptischer Augenbraue gegen alles und jeden intrigiert. Besonders die Szenen mit dem Doctor sind natürlich klasse – vom ersten Blickkontakt bis zu seinen eloquenten Versuchen den Doctor auf seine Seite zu ziehen.
Und dann sind da natürlich Gallifrey und die ersten ordentlichen Time Lords der Serie (bisher haben wir nur abtrünnige Time Lords kennen gelernt). Die sind gleich bei ihrem ersten Auftritt schön majestätisch und faszinierend, und wenn auch nicht direkt negativ dargestellt doch auf eine unangenehme Weise distanziert
und kalt. So halt, dass man zwar beeindruckt ist, aber doch gleichzeitig bestens nachvollziehen kann, warum der Doctor es nicht lange mit seinen eigenen Leuten aushält. Die zweite Regeneration der Serie schließlich ist recht untypisch, wird aber schon schön emotional mit dem Abschied von Jamie und Zoe vorbereitet.
Etwas viel Herumgerenne, kleineren Hängern und sich wiederholenden Situationen zum Trotz: The War Games ist eine hervorragende Episode, die mit einem interessanten und schön umgesetzen Konzept, vielen tollen Figuren, spannendem Aufbau mit wunderbaren Szenen, historischen Doctor-Who-Momenten und einem großen Finale.
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