HAMLET 2009: Picspam, Teil 1
10. January 2010
Ich hab mich bekanntermaßen in die RSC/BBC-Verfilmung von Hamlet mit David Tennant und Patrick Stewart verliebt, und wenn ich bei so einem Film nicht nur den Inhalt, sondern auch die Optik hinreißend finde, hat der auch einen ordentlichen Picspam verdient. Nachdem hier gleich zwei Dinge zusammenkommen, in die ich absolut vernarrt bin (Tennant und Hamlet), plus viele andere tolle Sachen, hab ich mich beim Picspam-Erstellen nicht zusammenreißen können und es ist ein wenig… ausgeartet. Deswegen gibt es jetzt zwei Hamlet-Picspams, beide sehr lang, sehr umfassend und damit auch sehr spoilerhaft. Wer sich also von der Geschichte bzw eher von der Inszenierung überraschen lassen will, lieber nicht anschaun.
Ich gehe chronologisch vor, dieser erste Teil reicht also so etwa bis zur Hälfte des dritten Akts. Das Ganze ist ziemlich Tennant-zentriert (hey, er ist halt auch Hamlet), der Rest wird aber auch bedacht. Der zweite Teil des Picspams findet sich hier.
Akt I
Das Titelbild. Wir beginnen den Film mit der Überwachungskamera und mit wunderbarem Lichtfall.

Marcellus, Horatio und Barnado nach dem ersten Erscheinen des Geistes. Schon nach dieser ersten Szene, die geschickt mit Kamerabewegung, Beleuchtung und Bildkomposition spielt, hört man auf, sich Sorgen um die Umsetzung zu machen.

Aber nun auf zum Hof. Claudius präsentiert sich als intelligenter, besonnener Staatsmann, immer noch um seinen Bruder trauernd und sehr verliebt in Gertrude…

… welche sich als gute Königin gibt und im Hintergrund Claudius dazu veranlasst, Hamlet den Thron zu versichern. Auch wenn Claudius ganz bewusst erstmal Laertes anspricht und Hamlet damit in seine Schranken verweist.
Hamlet brodelt dabei die ganze Szene über sichtlich innerlich mit einer Mischung aus Trauer, Schmerz und Abscheu

Man fühlt sich unangenehm voyeuristisch, wenn man sieht, wie dieser Mann, den wir eigentlich noch gar nicht kennen, vor unseren Augen vor Schmerz zusammenbricht

Gut, dass dann Horatio auftaucht. In dessen Gesellschaft fühlt sich Hamlet offensichtlich verstanden und sicher.

Werfen wir einen Blick auf die Familie Polonius. Laertes und Ophelia haben sich sichtlich sehr gern…

… auch wenn der Herr Papa Polonius zum x-ten Mal seine Belehrungen hervorbringt. Die die beiden mitsprechen können. Eine sehr schöne Idee, diese Szene so zu präsentieren. Auch schön: Die viel wärmere Farbgebung ihres Hauses im Gegensatz zum kalten Hof.

Nach Mitternacht erscheint der Geist erneut. Inklusive schick beleuchteten Nebelschwaden.

Tennants Hamlet ist schon davor sehr toll, so richtig großartig wird er aber erst nach der Begegnung mit dem Geist. Ich bilde mir ein, dass ich das nicht nur wegen der ab diesem Punkt viel wuscheligeren Frisur finde.

“Now to my word: It is ‘Adieu, adieu, remember me’”. – Autsch.

“The time is out of joint. O cursed spite
That ever I was born to set it right!”
Es gibt eine ganze Reihe sehr Doctor-mäßige Textstellen in Hamlet…

Akt II
Zurück am Hof. Ich liebe die Chemie zwischen Claudius und Gertrude, und wie Gertrude die Geduld mit Polonius’ Ausführungen zu Hamlets Wahnsinn verliert.

“To be, or not to be; that is the question:
Wether ’tis nobler in the mind to suffer
The slings and arrows of outrageous fortune
Or to take arms against a sea of troubles,
And, by opposing, end them. To die, to sleep – “
Ah, ich liebe alles an diesem Soliloquy. Wie er gefilmt, gespielt und gesprochen wird, sowie die Platzierung im zweiten Akt, was mir sinnvoller erscheint als wie üblicherweise im dritten Akt.

Ich mag sogar, wie der Text hier gekürzt wurde. Traut sich sicher nicht jeder, und bringt doch die Argumentation besser auf den Punkt.

“I did love you once. – Indeed, my lord, you made me believe so. -
You should not have believed me, I loved you not.”
Die Nunnery-Szene, von Tennant und Gale sehr eindringlich gespielt.

Hier läuft eine Inszenierung immer Gefahr, dass einem Hamlet unsympathisch wird, weil er die unschuldige Ophelia so mies behandelt. Hier nicht: auch wenn Tennants Hamlet hier nicht direkt von Schuld freigesprochen wird, wirkt sein Verhalten doch verständlich.

Die arme Ophelia, die systematisch von allen ihr nahestehenden Männern in den Wahnsinn getrieben wird.

Schicke Aufnahme durch den Spiegel hindurch, durch den Claudius das Geschehen bespitzelt.

Hamlet spielt Polonius seinen Wahnsinn vor. Eine großartige Sache.

Und wahnsinnig witzig. Eigentlich selbstverständlich bei den Dialogen, könnte man denken, aber ihr glaubt ja nicht, wie viele Filme das alles unendlich humorlos präsentieren können…

Hach Polonius. Er ist schon eine tragische Figur…

Ich würde die “Except my life”-Grimasse furchtbar albern finden, wenn Tennant sie nicht mit so einem wunderbar genervten “Warum geb ich mir für den Trottel überhaupt Mühe?” Gesichtsausdruck beenden würde…


“I could be bounded in a nutshell and count myself a king of infinite space”
Nein, die Doctor-Who-Assoziationen lassen nicht nach…

Aww, Rosencrantz und Guildenstern! In diesem Film zwei junge Burschen, die sich zwar mit aller Kraft beim König beliebt machen wollen, aber keine Ahnung haben, worauf sie sich einlassen.

Hamlet macht mal kurz der Kamera klar, was er von Polonius “pastorical-comical, historical-pastoral…”-Geschwafel hält.

Ein großartiger John Woodvine als First Player. Man merke sich die Pose (Phyrrus verharrt kurz bevor er Priam erschlägt), die kommt wieder.

“O, what a rogue and peasant slave am I!”
Wie gehabt: Großartiger Soliloquy, großartig gespielt, großartig gefilmt.

“Am I a coward?” fragt Hamlet das Publikum und all die Kritiker, die ihm seit Jahrhunderten Feigheit und Unentschlossenheit vorwerfen.

Und wir müssen Abschied zum legendären T-Shirt sagen. Da drüber ist sogar Hamlet traurig.

Akt III
Und wir sind mitten in Hamlets großem Enthüllungsplan (es funktioniert doch wirklich besser, wenn da an dieser Stelle nicht erst “to be” und die Nunnery-Szene kommen, oder?). Außerdem steigt der Gebrauch von Spiegeln rapide…

Die Szenen, in denen Hamlet und Horatio alleine sind, geben immer etwas Raum zum Luftholen – hier muss Hamlet nicht den Clown für den restlichen Hof spielen und hat doch jemandem, mit dem er seine Sorgen teilen kann. Oh, und die Chemie der beiden Freunde ist klasse – allein wie natürlich Hamlet hier Horatios schiefe Fliege zurechtzupft.

Meine Güte, David Tennant kann pfeifen. Ich bin sprachlos.

COUNT-ry matters. Und damit wären wir beim “ab 12″-Rating (“contains one use of very strong language”)

Klasse Aufführung. Claudius grübelt im Hintergrund, wie er aus diesem Schlamassel herauskommt, ohne vor Hof das Gesicht zu verlieren

Hamlet tut so, als ob er das Stück mitfilmt, und filmt tatsächlich die Reaktionen von Claudius und Gertrude.

Und die Bilder der Hamlet-Kamera sind optisch sehr schick.

Oh, ich liebe die Szene nach dem Theaterstück, in der Hamlet noch ganz aufgedreht von seinem Erfolg ist und das an Rosencrantz, Guildenstern und Polonius auslässt.

Diese Krone ist eine großartige Requisite…

“Do you think I am easier to be played on than a pipe?”
Von einem Moment auf den nächsten von frech-witzelnd zu bedrohlich.
Herrlicher Blick als Antwort auf Polonius Ausraster

Und wir dürfen auch mal ganz oberflächlich sein: Offene Fliegen = GAH.

“Now could I drink hot blood” – Erster Hamlet-Kamera Soliloquy, ein schöner Effekt.

Patrick Stewart brilliert in der Gebetsszene, in der sich wieder ein hochintelligenter, berechnender und äußerst gefährlicher Claudius zeigt.

“Now might I do it pat, now he is praying. And now I’ll do it!“
Hamlet sieht seine Chance, holt aus wie Pyrrhus zum Stoß, und….

Bühne schwarz, Pause. Im Film natürlich nicht, aber in der Theateraufführung hat Greg Doran diesen Spannungspunkt zum Cliffhanger gemacht. Und auch wenn man weiß, was passiert, ist das eine sehr schöne Idee, weil man sich automatisch die Frage stellt: Was wäre wenn er sich anders entscheiden würde?
In diesem Sinne: Bis zum zweiten Teil des Picspams.
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Tags: David Tennant, Hamlet, Patrick Stewart, Picspam, RSC

10. January 2010 um 23:00
großartig, ich kann den 2. teil kaum erwarten!
10. January 2010 um 23:15
Hihi, in der ICQ-Konversation während des Films kam unweigerlich der Kommentar mit der Frisur. Wir sind aber auch manchmal oberflächlich
11. January 2010 um 11:09
Ach, ein klein bisschen Oberflächlichkeit können wir uns ja erlauben – ich find, ich hab mich in diesem Picspam eh sehr zurückgehalten. Ist ja irgendwo auch ein bemerkenswerter Aspekt des Films: David Tennant sieht drei Stunden lang absolut hinreißend aus, und doch nimmt man in erster Linie doch sein Schauspiel, die Sprache und die Handlung wahr.